#wirwarenfüreuch im Van Loon und haben über Klimaschutz gesprochen

#wirwarenfüreuch in Berlin unterwegs am Kanal und haben uns mit Gabriele Kuczmierczyk, Referentin im BMUB, getroffen um über naturtrip.org, nachhaltige Mobilität und Klimaschutz zu sprechen. Wir sagen ja zu Nachhaltigkeit und fokussieren uns auf die klimafreundliche Anreise mit ÖPNV und Rad. Ein Herz fürs Klima und naturtrip.org.

naturtrip.org wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesumweltministerium (BMUB – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) gefördert. Der Fokus von naturtrip.org liegt ganz klar auf der klimafreundlichen Anreise. An einem lauschigen Feierabend treffen wir uns mit Gabriele Kuczmierczyk – Referentin im BMUB und dort u.a. für die fachliche Begleitung von naturtrip.org zuständig –  auf dem Van Loon Schiff am Kanal im Kreuzberg. Super schön gelegen und ideal ohne Auto zu erreichen, da es super nah an der U-Bahn Station Prinzenstraße in Kreuzberg liegt.

DSC04256

Frau Gabriele Kuczmierczyk, wie sind Sie zum Umweltministerium gekommen?

Nicht auf direktem Weg, aber schon über mein Interesse an Umweltthemen. Studiert habe ich Landschaftsplanung, abgeschlossen mit einer Diplom-Arbeit zum autofreien Wohnen in Berlin und bin dann beim Themenfeld  der umweltorientierten Verkehrsentwicklung geblieben. Nach unterschiedlichen Stationen in Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Parlamenten hatte ich dann vor gut 8 Jahren die Chance im Bundesumweltministerium im Referat Umwelt und Verkehr anzufangen. Mein Steckenpferd war der nicht-motorisierte Verkehr, also Fuß und Radverkehr, sowie der öffentliche Verkehr, insgesamt also der sogenannte Umweltverbund. Im Studium hat mich außerdem das Thema nachhaltiger Tourismus begeistert. Schließlich reise ich auch selbst gerne, dabei immer den Aspekt  Umwelt- und Sozialverträglichkeit im Blick. Im Urlaub bin ich am liebsten zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Und da auch im Tourismus die Mobilität eine große Rolle für eine nachhaltige Ausgestaltung des Reisens spielt – bei der An- und Abreise und auch der Mobilität vor Ort – gibt es eindeutige Schnittmengen der beiden Themen. Somit war der Wechsel ins Tourismusreferat vor einem Jahr nur konsequent. Und da passt auch die großartige Projektidee von naturtrip.org gut rein, das ebenfalls die Schnittmenge aus umweltverträglicher Mobilität und Freizeitgestaltung bedient.

naturtrip.org ist in Berlin / Brandenburg gestartet. In Berlin bilden Radfahrer und ÖPNV-Nutzer die Mehrheit: 17% der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt und 18% mit dem Fahrrad – die allermeisten Wege mit dem öffentlichen Verkehr und zu Fuß. Warum wird trotzdem Politik für das Auto gemacht?

Das ist der Blick auf Berlin bzw. auf die  Großstädte. In Klein- und Mittelstädten sieht die Verteilung schon wieder anders aus. Die Notwendigkeit des Pkw-Besitzes bzw. der Nutzung stellt sich auf dem Land komplett anders dar als in der Stadt. Und selbst die Großstadtbewohnerinnen und -bewohner  ohne eigenen PKW sind keine homogene Masse. Das sind Fußgänger, Radfahrer, ÖV- Nutzer, Carsharer usw. Auch wer kein eigenes Auto besitzt, kann trotzdem gerne Auto fahren – vor allem mit einem Carsharing-Auto, weil nach jeweiligem Bedarf ein Cabrio, ein Transporter oder ein kleines Stadtauto zur Auswahl stehen – bestenfalls sogar mit Elektro-Antrieb. Es geht also nicht darum, Politik gegen das Auto zu machen, sondern für die Multimodalität und für mehr Lebensqualität – mehr Platz für Menschen, weniger Lärm, bessere Luft. Deshalb gefällt mir auch die Idee hinter naturtrip.org so gut. Ein weiterer Baustein, der es Menschen leichter macht, ohne Auto mobil zu sein – auch in der Freizeit und für tolle Ausflüge.

Auf welcher Ebene setzt die Politik dann an?

In unserem föderalen System ist auf der Bundesebene oft nur die Rahmengesetzgebung möglich. Gerade ÖPNV, Rad- und Fußverkehr gehören zu den klassischen Aufgaben der Länder und Kommunen. Der Bund unterstützt die Länder und Gemeinden finanziell – entweder direkt wie bei den Regionalisierungsmitteln für den ÖPNV oder über Förderprogramme wie die Nationale Klimaschutzinitiative – und trägt so zu einer umweltfreundlicheren Mobilität bei. Außerdem können mit Programmen, Plänen und Strategien Richtungen vorgeben werden, wie zum Beispiel im Nationalen Radverkehrsplan mit der Zielvorgabe, den Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtverkehr zu erhöhen. Mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 wurde im Dezember 2014 vom Kabinett beschlossen, dass Förderprogramme für den Rad- und Fußverkehr aufgelegt, die Intermodalität gefördert und der Umweltverbund gestärkt werden sollen. Damit ist auch die Aufteilung des Straßenraums zugunsten des Umweltverbunds gemeint. Und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit soll die Entscheidungskompetenz der Kommunen hinsichtlich der Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen gestärkt werden. Das dient letztlich auch dem subjektiven Sicherheitsempfinden und kann so zu mehr Rad- und Fußverkehr führen.

DSC04259

naturtrip.org wird ja auch im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördert. Gibt es hier noch weitere Förderungen von Rad- und Fußverkehr oder ÖPNV?

Ja, neben den innovativen Klimaschutzprojekten, zu denen auch naturtrip.org gehört, sieht dort beispielsweise die Kommunalrichtlinie die Förderung von klimafreundlichen Mobilitätskonzepten vor und es können Infrastrukturmaßnahmen für nachhaltige Mobilität bezuschusst werden. Das betrifft die Fahrradinfrastruktur, wie Wege, Beschilderung, Abstellanlagen, aber auch verkehrsmittelübergreifende Mobilitätsstationen. Diese Stationen gibt es bereits in mehreren Städten und sie helfen, Fuß- und Radverkehr, Carsharing und ÖPNV sinnvoll miteinander zu vernetzen. Die schon erwähnte Multimodalität, die es einfacher macht, für jeden Weg, für jeden Zweck und jedes Wetter das passende Verkehrsmittel auszuwählen bzw. sie zu kombinieren. Mit der NKI wird aber auch der öffentliche Verkehr besser. Denn obwohl er ohnehin einen Umweltvorteil hat, wird er mit emissionsarmen, alternativen Antrieben noch attraktiver. Konkret fördert das BMUB die Beschaffung von effizienten Hybridbussen durch Verkehrsbetriebe. Und dann gibt es noch den Bundeswettbewerb Klimaschutz im Radverkehr, Klimaschutzprojekte auf Nachbarschaftsebene und, und, und … alles zu finden auf der Homepage mit dem einprägsamen Namen klimaschutz.de

Und bei Urlaub und Freizeit? Gerade wenn man die Bilanz von An- und Abreise betrachtet, die den größten Anteil an den Umweltwirkungen des Reisens ausmacht, stellt sich die Frage, wie die Freizeitgestaltung nachhaltig werden kann.

Auch hier gibt es mehrere Ansätze. Das BMUB hat im Rahmen der Reiseanalyse 2014 die Nachfrage für nachhaltigen Tourismus ermitteln lassen. Das Interesse ist eindeutig vorhanden – auch an der An- und Abreise mit dem Bus oder der Bahn. Somit stellt sich nach wie vor die Frage, wie nachhaltige Tourismuskonzepte besser an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können. Mit dem „Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum“ vom Februar 2016 wurden auch für den Bereich Freizeit und Tourismus Maßnahmen benannt, die es nun umzusetzen gilt. Und dass vor Ort schon einiges passiert ist, wollen wir auch erneut mit dem Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusdestinationen zeigen, der Ende des Jahres vom BMUB zum zweiten Mal durchgeführt wird.

Welche Rolle kann naturtrip.org hierbei spielen?

Ein perfektes Medium, um ein gutes ÖPNV-System zu bewerben. Das Besondere an naturtrip.org ist dabei der Fokus auf den Freizeitverkehr. Naturtrip.org trägt dazu bei, dass die ÖPNV-Nutzung auch hierfür einfacher wird und nicht nur für die Alltagsmobilität. Selbst wenn ich noch nicht weiß, was ich überhaupt unternehmen will, weiß naturtrip.org schon, wie ich zum Ziel komme Das ist das Innovative: Es gibt nicht nur geniale Freizeittipps für die unterschiedlichsten Ansprüche, sondern es gibt gleich die Infos zu Fahrtzeiten und Verbindungen mit Bus und Bahn dazu. Einfacher geht’s nicht.  

DSC04283

Drei Dinge, die Sie zum Ausflug mitnehmen?

Fahrrad, Wasserflasche, und gerne auch ein Buch!

Lust auf Freizeit mit ÖPNV?

Und wer jetzt selbst mal naturtrip.org ausprobieren möchte, es geht ganz leicht. Einfach Standort eingeben und schauen was man alles gerade mit den Öffentlichen gut erreichen kann. Egal ob man eher Lust auf Baden, Bauernhof oder Biergarten hat.

Bio-Bauernhöfe auf naturtrip.org und mehr

Bio-Bauernhöfe auf naturtrip.org und mehr

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s